Das Carsharing der Bahn macht es möglich: Im Berliner Hauptbahnhof warten mehrere Toyota Prius Plug-in Fahrzeuge auf Kunden. Zu kaufen gibt es den Prius 3 Plug-in noch nicht - da bietet sich das kostengünstige Carsharing der Bahn als ideale Testflotte an. Plug-in bedeutet, dass der Toyota an der Steckdose etwa 1 1/2 Stunden geladen wird und mit seiner Batterie dann maximal 20 Kilometer weit fahren kann. Danach schaltet sich der Benzinmotor zu und Elektro und Benziner arbeiten gemeinsam (Hybridbetrieb). Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 136 PS, Verbrauchswerte um die vier Liter, sowie sehr niedrige Schadstoffwerte überzeugen. Für uns steht die ein neuer Familienwagen im Mai 2011 an. Bisher sind der Prius-Hybrid oder der Golf-Plus mit Bluemotion-Diesel und Automatik in der engeren Wahl. Daher nutze ich die Gelegenheit für einen Kurztest der Plug-in Variante, nachdem ich vor wenigen Tagen den etwas langweiligen Allerweltswagen Golf-Plus probegefahren hatte.
Es ist schon beeindruckend, wenn der Prius geräuschlos losrollt. Vor dem Start muß jedoch die Fuss-Festellbremse gelöst werden und das ist beim ersten mal nicht einfach. Insgesamt etwa 20 Kilometer rollt der Prius elektrisch. Mein Prius machte allerdings schon nach etwa zehn bis zwölf Kilometer schlapp und der Motor schaltete sich absolut unaufgeregt hinzu. Der Prius gleitet dahin, wenn nicht das nervende Klappern wäre. Eine Geräuschquelle war in der Umgebung des Handschuhfachs, die zweite Klapper-Quelle hinten rechts im Kofferraum. Also angehalten und alles durchsucht - ohne Erfolg. Bei einem so extrem leisen Wagen wie dem Prius gehen solche Geräusche ebenso extrem auf die Nerven. Insgesamt macht der Innenraum einen futuristischen, aber nicht gerade hochwertigen Eindruck. Ganz subjektiv erscheinen mir Klappergeräusche im Prius-Innenraum angesichts der vielen etwas billig wirkenden Kunstoffteile nicht ganz grundlos. Meine Gedanken schweifen zum Langweiler Golf, hier war im Innenraum alles wertig und klapperfrei.

Ein Effekthauscher ist der Prius auch nicht gerade. Das Auto ist insgesamt unauffällig und vom Design kein Hingucker. Die Tatsache, dass der Wagen geräuschlos rollt wird angesichts des Verkehrslärms auch im Berliner Szeneviertel Prenzl-Berg kaum wahrgenommen.
Nachdem der Prius nun im "Power-Modus" gegenüber dem Eco-Modus gefühlte 50 PS zulegt, soll es nun auf die Autobahn gehen. Die Navi funktioniert relativ unproblematisch und lässt sich einfach bedienen. Nur zwei Funktionen waren nach mehr als zweistündiger Fahrt nicht herauszubekommen: Wie schalte ich die Zielführung wieder ab? Und wie erhöhe ich die Lautstärke der Navi-Hinweise? Die Zielführung lässt sich unterbrechen und wieder einschalten, aber den Hinweis auf Abschalten habe ich nicht finden können. Auch die etwas zu leisen Sprachhinweise ließen sich nicht in der Lautstärke anpassen. Was bei jedem Navi durch Drehen der Lautstärkeregelung während der Ansage machbar ist, beim Prius ist das Fehlanzeige. Sicher gibt es eine Lösung, nur sie ist scheinbar gut in der Navi versteckt. Da lobe ich mir den Langweiler-Golf von VW. Hier ist jeder Knopf dort wo er hingehört - langweilig eben.
Der Prius ist nie langweilig, das Anzeigedisplay ist grosses Kino. Man kann die elektrischen Ströme im Hybrid stilisiert verfolgen, für Statistiker wird der Bezinverbrauch ausgerechnet und je nach Trip ausgewertet und die simpelste Anzeige zeigt an ob man Energie gewinnt beim Bremsen oder beim Beschleunigen verschwendet. Das Lenkrad sitzt gefühlt etwas zu tief und ist nur begrenzt verstellbar. Die Sitze sind ok, aber nicht so knackig und komfortabel wie im Volkswagen. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Federung. Sie wirkt bei kurzen Bodenwellen hoppelig und kommt an den souveränen Komfort des Golfs nicht heran.
Trotzdem - der Prius ist ein mutiges Auto mit einem Zukunftkonzept. Prius-Fahrer sind nach allen Tests mit ihren Fahrzeugen hochzufrieden. Ohne Hybrid allerdings wäre der Prius aber sicher nur schwer verkäuflich. Tests mit allen technischen Daten gibt es im Internet zuhauf, daher habe ich auf Wiederholungen verzichtet und nur meine subkektiven Eindrücke der etwas mehr als zweistündigen Probefahrt beschrieben. Einen übersichtlichen Vergleichstest mit dem Golf gibt es in der Auto-Zeitung online.
Ich bin schon vor über einem Jahr in den USA den Prius gefahren und kann Deinem Testbericht voll und ganz zustimmen. Ich fand die Anzeigendisplays allerdings schon als ziemlich nervend. Über alles und jede Kleinigkeit muss man während der Fahrt sicher nicht unbedingt und sofort informiert werden. Ab und zu beschäftigt einen ja auch der ganz normale Straßenverkehr.
AntwortenLöschenGruss-moni