Dienstag, 6. Dezember 2011

Sehr gut ist nicht gut genug - mit der Costa Luminosa im westlichen Mittelmeer

Worauf es ankommt, macht die Besatzung am vorletzten Abend klar: Im Theater erklärt eine Stewardess wie der Beurteilungsfragebogen des Schiffes auszufüllen ist. Es gibt die Noten exzellent, sehr gut, gut, befriedigend und nicht so gut. Da es ein amerikanischer Fragebogen sei, so werden wir aufgeklärt ist „sehr gut nicht gut genug“. Mindestens achtzig Prozent "exzellent" müsse man schon erreichen. 

Das meinte auch die Crew des Restaurants, die am Abend einen schon mitreißenden Auftritt mit italienischer Musik hinlegte und dabei ein Plakat mit der Aufschrift „Restaurant Tauris = exzellent“ hochhielt. Wir waren mit der Familie inklusive zwei Kindern an Bord und haben gemischte Erfahrungen gemacht, daher konnten wir nicht überall das gewünschte „exzellent“ verteilen.
Die Costa Luninosa ist ein italienisches Schiff, das dem amerikanischem Kreuzfahrtunternehmen Carnival Cruises gehört. Auf dieser Reise gab es ein internationales Publikum: Franzosen, Italiener, Schweizer, Spanier, Polen, Deutsche, Russen, um nur die häufigsten Sprachgruppen zu nennen. Ein deutlicher Vorteil für die Kinder, schon nach kurzer Zeit begannen sie Englisch als „lingua franca“ auf dem Schiff zu sprechen.

Doch beginnen wir zunächst mit dem Check in in Savona.
Direkt nach der Ankunft am im Terminal zeigte sich die Leistungsstärke der Kreuzfahrtorganisation: Für die angereisten Passagiere der Costa Luminosa standen an der Passagierkontrolle genau zwei Mitarbeiter. Entsprechend war das Chaos und Gedränge im Terminal. Es wurde nach den Nummern der Busse abgefertigt. Wir hatten die Nummer 18, also konnten wir zwei Stunden im übervollen Terminal von Savona verbringen, in dem gleichzeitig noch die Costa Pacifica abgefertigt wurde. Ein Gesundheitsauskunft sollte auch noch ausgefüllt werden, niemand hat später danach gefragt. Nach der anschließenden Passkontrolle, gab es nochmal eine weitere Kontrolle der Pässe und Reiseformulare direkt an der Gangway. Wer einmal erlebt hat wie reibungslos, schnell und hocheffizient der Check in bei Schiffen der Aida funktioniert, hat jetzt schon die erste Enttäuschung erfahren.

Vor dem Betreten des Schiffes gab es recht zügig die obligatorischen Ausweisbilder, dann verteilten sich alle recht schnell, um sich auf Kabinensuche zu begeben. Positiv: Die Bordkarten und alle notwendigen Unterlagen fanden sich auf den Betten drapiert. Das Aufladen der Bordkarten mit den Kreditkarten erfolgt an mehreren Kartenterminals eigentlich zügig, sofern alles funktioniert. Doch manchmal wird die Bordkarte nicht erkannt oder die Kreditkarte nicht akzeptiert. Der Serviceschalter erwies sich dabei nicht sehr hilfreich und vertröstete uns solange, bis wir einen Automaten fanden, der mithilfe einer anderen Kreditkarte die Bordkarte freischaltete. Der Serviceschalter hat uns während der ganzen Reise eigentlich nie richtig weitergeholfen - so richtig kompetent erschien da eigentlich niemand. Die obligatorische Sicherheitsübung fand bereits direkt am ersten Reisetag statt. Sie lief recht locker ab, aber die Passagiere wurden durchgezählt bzw. aufgerufen. (Ergänzung nach den Ereignissen bei der Costa Concordia).

Die Pannenserie zu Beginn der Reise setzte sich dann beim Abendessen im Restaurant fort. Obwohl wir Tischgetränke zu den Mahlzeiten im Preis eingeschlossen hatten, wollte man uns ein Getränkepackage zusätzlich verkaufen. Nach einigem hin und her, war dann doch alles klar und wir bekamen unsere Tischgetränke.

Insgesamt 2500 Passagiere finden auf diesem Schiff Platz. Das spiegelt auch das Restaurant wieder, in dem zu zwei Tischzeiten die Gäste am Tisch hochprofessionell, freundlich und schnell bedient werden. Hut ab vor den Servicekräften, das ist Schwerstarbeit. Der Lärm in diesem großen und vollen Restaurant ist allerdings unerträglich und übertönt den Pianisten, der dieser Massenverpflegung mit seinem Spiel etwas Atmosphäre einhauchen soll. Das Essen selbst ist gut, mehrere Gänge, kleine auch optisch ansprechende Gerichte, manchmal zwar etwas zu kalt, aber insgesamt reißt das Essen den ersten negativen Eindruck vom Schiff wieder etwas heraus.

Das Essen ist schon ein Thema für sich. Wer einmal gesehen hat, wie ein korpulenter Mann mittleren Alters sich eine Süßigkeit nach der anderen direkt am Nachmittagsbuffet einschiebt, oder wie ein Paar an die zehn doppelt belegte Brote und diverse Croissants und Kuchenstücke beim Frühstücksbuffet in die Handtasche packt, der verzweifelt schon am Kreuzfahrtpublikum. Dass man nicht in Badekleidung zum Buffet geht, scheint einigen auch nicht klar gewesen zu sein.

Viele der angepriesenen Wellnessangebote gibt es nur gegen Extrazahlungen. Zwar sind zwei kleine Saunen in der Nähe des Fitnessraumes kostenfrei im Angebot, aber das türkische Dampfbad gibt es nur im SPA gegen Extrageld. Meine Frau ließ sich dort eine Massage angedeihen und kam mit gebuchten Anwendungen und Mittelchen für mehr als 600 Euro zurück. Als sie nach einem Moment der Besinnung wieder einiges zurückgeben wollte, wurde sie solange bequatscht, bis sie schließlich entnervt alles stornierte.

Beim Abendessen dient sich regelmäßig der Fotograf an, mal mit einem als Clown verkleideten dauergrinsenden Asiaten für die Bilder mit kleinen und großen Kinder, mal als Gesellschaftsfotograf beim Captains-Dinner. Auch hier gibt es die Fotos zu erwerben, zu Bordpreisen im zweistelligen Euro-Bereich. Es ist halt alles auf Verkauf getrimmt, aber leider so penetrant, dass man alle Angebote irgendwann kategorisch ablehnt. Nach dem ersten Tag an Bord begannen wir uns an das Geschäftsmodell zu gewöhnen und nutzten die kostenfreien Angebote des Bordlebens, die morgendliche Jogging strecke auf Deck 11, das recht ordentliche Frühstück und das Gymnastikangebot auf Deck 10. Unser Sohn ging ins Fitnesscenter, obwohl er dort erst an 16 trainieren dürfte - aber dies war wiederum ein Vorzug des südlichen laissez-faire auf dem Schiff - es interessierte niemand wirklich.

Die Attraktionen für die Kids waren ein Kapitel für sich: Rennwagensimulator Defekt, 4 D Kino defekt und die zwei vorhandenen Tischtennisschläger an der Rezeption waren in einem erbärmlichen Zustand. Der Automat, der für einen Euro Bälle ausspucken sollte funktionierte erst gar nicht.

Der erste Landgang war in Málaga. Das Schiff bot für 6,50 Euro einen Schuttlebus ins Stadtzentrum an - wir verzichteten darauf und sparten Geld. Die freundliche junge Frau von der Touristeninformation im Hafenterminal gab uns eine Karte und wies uns auf den öffentlichen Shuttle hin, der uns umgehend für ganze 3,50 ins Stadtzentrum und zurück brachte. Die Straße von Gibraltar passierte das Schiff in der Nacht gegen 22 Uhr. Nähere Ansagen, Karten oder Erklärungen waren leider nicht zu haben. Also blieb ich mit den Kindern auf Deck 11 auf Mutmaßungen über die Passage angewiesen. Trotzdem war es ein Erlebnis bei all den hin und her fahrenden Schiffen auf Backbord die erleuchtete afrikanische Küste und auf Steuerbord das europäische Festland zu sehen.

Am nächsten Morgen stand Casablanca auf dem Programm. Statt der teuren Busausflüge hatten wir eine private Tour über das Reisebüro organisiert. Hier wird das Problem der großen Schiffe deutlich: mehrere Busladungen voller kamerabewehrter Touristen werden an den für sehenswert befundenem Orten gleichzeitig durchgeschleust. Kaum Zeit etwas über das Land und die Leute zu erfahren oder etwas innezuhalten und in einem Café zu entspannen. Geht es um Ziele außerhalb der jeweiligen Hafenstadt, sind bei den doch recht kurzen Liegezeiten lange Busanreisen mit noch kürzeren Aufenthalten von Nöten.So muss man von Casablance nach Marrakesch mit einer insgesamt achtstündigen Busreise rechnen, um dann einige Stunden in der Stadt zu verbringen. Oder man bleibt wie wir in Casablanca, stellt aber recht schnell fest, dass diese Hafenstadt eigentlich wenig zu bieten hat.

Obwohl ich eigentlich hier keine touristische Tipps für Landausflüge abgeben möchte, hier ein paar Eindrücke aus Cádiz, dass wir an einem Sonntag anliefen. Das Kreuzfahrtterminal liegt praktisch mitten in der malerischen Altstadt von Cádiz. Auf dem Schiff gab es bereits gute knappe Informationen des örtlichen Fremdenverkehrsamtes mit der Beschreibung mehrerer Spaziergänge durch die Stadt. Eine Besonderheit sind die kostenlosen WLAN Hotspots an mehreren Plätzen der Stadt.

Ein Bummel ist entspannend, die schönen Plätze und Parks Laden zum Verweilen ein, insgesamt ist diese Stadt zum problemlosen Landgang zu empfehlen. Wer will kann mit den Touristenbussen im Hopp in Hopp Off-Takt ebenfalls die Sehenswürdigkeiten genießen. 

Eigentlich schade war es schon, dass es kaum Informationen und Vorträge zu den besuchten Städten und Regionen gab. Das Bordangebot war nahezu ausschließlich auf Spielen und auf nicht gerade preiswerte Wellnessangebote angelegt. Vielleicht will das Publikum auf diesen Schiffen aber auch nichts von kulturellen Angeboten wissen und lieber den Abend in Shows und im Spielcasino verbringen. Alles in allem ist die Costa ein sehr auf die amerikanischen Erwartungen getrimmtes Schiff, wer etwas mehr Angebot, bessere Organisation und Information will ist sicher mit den Aida-Schiffen besser beraten.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen